Auf einem gemeinsamen, öffentlichen Workshop wollen nestor und der AWV-Arbeitskreis 6.2 "Dokumentation und Archivierung von Internetpräsenzen" einen einführenden Überblick über die Umsetzungsmöglichkeiten und Herausforderungen geben, die sich bisher in der Webarchivierung herauskristallisiert haben.
Der Workshop richtet sich an Bibliothekare, Archivare, Museumsmitarbeiter und sonstige Interessierte, die die Archivierung von Webseiten planen und einen Überblick über vorhandenen Initiativen gewinnen möchte.
Das Thema soll in vier Blöcken ausgeleuchtet werden:
- Aufgabenspektrum und Anforderungsprofile unterschiedlicher Webarchive
- Erfassung und Erschließung
- Langzeitarchivierung und Recht
- Bereitstellung und Nutzung
Der Öffentliche Workshop "Webarchivierung" findet statt am 20. März 2012 von 10:30 bis 17:00 in der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt am Main.
Die aktuelle Agenda des Workshop zur Webarchivierung ist verfügbar unter:
www.langzeitarchivierung.de/informationsdienste/kalender/ws_webarchivierung.htm
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung unter VL-nestor@dnb.de ist erforderlich.
Im kommenden Jahr wird die "Deutsche Digitale Bibliothek" (DDB) [1] online gehen - ein spartenübergreifendes Portal mit dem Ziel, einen zentralen Zugang zum Kulturgut Deutschlands zu bieten. Gleichzeitig stellt es den nationalen Beitrag zur Europäischen Digitalen Bibliothek "Europeana" [2] dar. Aufbau und dauerhafter Betrieb werden von Bund und Ländern gemeinsam finanziert.
In den kommenden Wochen werden zahlreiche deutsche Archive angeschrieben und dazu eingeladen werden, sich auf der Plattform der "Deutschen Digitalen Bibliothek" zu registrieren - mehr dazu im folgenden Abschnitt. Als archivische Partner im Kompetenznetzwerk "Deutsche Digitale Bibliothek" möchten Bundesarchiv und Landesarchiv Baden-Württemberg alle Archive um rege Teilnahme am Registrierungsprozess bitten. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, möchten wir Sie mit dieser Information schon im Vorfeld über aktuelle Entwicklungen bei der "DDB" informieren.
Einladung zur Registrierung
Die oben erwähnte Einladung wird in Kürze im Namen des Vorstands des Kompetenznetzwerks an Archive aller Sparten in ganz Deutschland versendet werden. Ziel der Registrierung ist es, eine sog. Kultur- und Wissenschaftslandkarte Deutschlands zu erstellen, in der die Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen und später auch digitale Bestände, Sammlungen und im Fall der Archive Findbücher nachgewiesen werden. Die Registrierung erfolgt auf Grundlage eines kurzen Online-Formulars, in dem Basisdaten zu Ihrer Institution und einem Ansprechpartner abgefragt werden. Eine Eintragung verpflichtet nicht zu einer späteren Datenlieferung an die "Deutsche Digitale Bibliothek", ist aber wichtig, um einen möglichst vollständigen Überblick über die deutschen Kulturgutinstitutionen zu erhalten. Als Vertreter unserer Sparte im Kompetenznetzwerk möchten Bundesarchiv und Landesarchiv Baden-Württemberg daher explizit dafür werben, eine Registrierung vorzunehmen. Dass die Registrierungseinladungen von allen Sparten zunächst an Archive versandt werden, liegt daran, dass hierzu die am besten aufbereiteten Adressdaten vorliegen. Auch die BKK unterstützt dieses Anliegen.
Namensfrage
Um dem spartenübergreifenden Ansatz des Vorhabens gerecht zu werden, hat der Vorstand des Kompetenznetzwerks die Suche nach einem geeigneteren Namen als der bislang gebräuchlichen Bezeichnung "Deutsche Digitale Bibliothek" neu angestoßen. Der Vorstand, in dem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Bayerische Staatsbibliothek und das Landesarchiv Baden-Württemberg vertreten sind, setzt sich nachdrücklich dafür ein, einen Titel zu finden, mit dem sich die großen Kulturgutsparten – Bibliotheken, Archive, Museen – und die Wissenschaft identifizieren können.
"Archivportal-D" als spartenspezifische Sicht der "Deutschen Digitalen Bibliothek"
Im Herbst des letzten Jahres wurde das Landesarchiv Baden-Württemberg von der Archivreferentenkonferenz des Bundes und der Länder sowie der Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag gemeinsam mit dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, dem Sächsischen Staatsarchiv und der Archivschule Marburg mit dem Aufbau eines "Archivportals-D" beauftragt. Das Vorhaben soll auf Basis einer Drittmittelfinanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft als Teilprojekt der "DDB" umgesetzt werden und eine spartenspezifische Sicht auf die archivischen Inhalte der "Deutschen Digitalen Bibliothek" bieten. Hier können die archivspezifischen Anforderungen an die Präsentationsschicht zum Nachweis von Erschließungsinformationen fachgerecht abgebildet werden (d.h. u.a. Abbildung der Tektonik, Klassifikation und spezielle Präsentationsmodule für Archivgut). Das Kompetenznetzwerk "Deutsche Digitale Bibliothek" hat in seiner Sitzung am 8. Juli 2011 dem Vorhaben zugestimmt. Die strukturelle Einbettung in den "DDB"-Kontext verspricht zahlreiche Vorteile, so z.B. die Nutzung derselben Infrastruktur für die Bereitstellung archivischer Inhalte, die mit nur einer Datenlieferung in demselben Format zugleich der "Deutschen Digitalen Bibliothek" und dem "Archivportal-D" zur Verfügung gestellt werden können und somit sowohl spartenübergreifend als auch spartenbezogen recherchierbar gemacht werden. Zur Zeit bereiten die beauftragten Institutionen einen Förderantrag bei der DFG vor.
Gemeinsames EAD-Profil
und Mapping auf das Datenmodell der "Deutschen Digitalen Bibliothek"
In einer ad-hoc-AG unter Leitung des Landesarchivs Baden-Württemberg haben Vertreter mehrerer staatlicher und kommunaler Archive sowie der Archivschule Marburg, unter Beteiligung der IT-Ausschussvorsitzenden von ARK und BKK, seit Ende des letzten Jahres ein einheitliches EAD-Profil abgestimmt, in dem die Datenbereitstellung deutscher Archive an die "Deutsche Digitale Bibliothek" und dadurch auch an das geplante "Archivportal-D" erfolgen soll. Aufgrund der großen Spielräume bei der Verwendung und Interpretation des archivischen Metadatenaustauschformats EAD war die Festlegung eines solchen Profils notwendig, um die Integration archivischer Erschließungsdaten in die "DDB" zu standardisieren und zu erleichtern. Seit kurzem liegt eine vorläufige Endfassung vor, die nun die Grundlage für das konzeptionelle Mapping auf das "DDB"-Datenformat CIDOC CRM [3] bildet. Dieses Mapping erfolgt unter unserer Beteiligung unter Federführung des "Fraunhofer Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS" [4], das mit der Planung, Entwicklung und technischen Umsetzung der ersten Ausbaustufe der "DDB" beauftragt wurde. Im Zuge des Mappings könnte das Profil evtl. weitere Anpassungen erfahren.
Verträge zwischen der "Deutschen Digitalen Bibliothek" und einzelnen Kultureinrichtungen
Um die Bereitstellung von Erschließungsinformationen und optional auch Digitalisaten an die "DDB" zu regeln, wird vom Kompetenznetzwerk und vom Bundesbeauftragen für Kultur und Medien momentan ein Vertragsentwurf erarbeitet. Da die "DDB" als Datenaggregator für die Europeana agieren und mit Einverständnis der Einrichtungen Inhalte an diese weitergeben soll, wird geprüft, inwieweit ein "DDB"-Vertrag dem "Data Exchange Agreement"[5] der Europeana entsprechen sollte. Ein Diskussionspunkt hierbei ist die von der Europeana angestrebte Bereitstellung von Metadaten unter der Creative-Commons-Auszeichnung CC0 1.0 [6], die Dritten weitreichende Rechte zur Nutzung und Modifikation der Daten einräumt und einer Aufgabe bestehender Urheberrechte gleichkommt. Inwieweit deutsche Archive sich auf eine solche Vertragsform für die Bereitstellung ihrer Erschließungsinformationen einlassen können, muss innerhalb unserer Sparte eingehend geprüft werden.
Ausschreibung einer Dienstleistungskonzession für Digitalisierung
In einer derzeit laufenden europaweiten Ausschreibung sucht das Kompetenznetzwerk einen Partner aus der Privatwirtschaft, an den eine Dienstleistungskonzession für die Digitalisierung von Kulturgut in Form einer "Public Private Partnership" vergeben werden soll. Ziel ist der Abschluss eines Rahmenvertrags, der als Basis für Verträge einzelner Einrichtungen mit dem Dienstleister dienen kann. Ob dabei ein Dienstleister gefunden werden kann, der sich unter Bezugnahme auf das vorgeschlagene Geschäftsmodell für die Digitalisierung von Archivgut interessiert, lässt sich momentan nicht sagen. In jedem Fall kann es sich nach derzeitiger Einschätzung lediglich um eine Unterstützung der Digitalisierungsbestrebungen deutscher Archive handeln und Fördermaßnahmen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft nicht ersetzen.
Abschließend darf auf zwei Termine aufmerksam machen, bei denen umfassend über die "Deutsche Digitale Bibliothek" und das "Archivportal-D" berichtet wird:
- Im Rahmen des Deutschen Archivtags in Bremen wird das Landesarchiv Baden-Württemberg auf der Informationsveranstaltung [7] die aktuellen Entwicklungen bei "DDB" und "Archivportal-D" skizzieren. Zeit: Freitag, 23. September 2011, 12.00-13.00 Uhr.
- Am Donnerstag, 13. Oktober richtet das Landesarchiv Baden-Württemberg im Hauptstaatsarchiv Stuttgart eine gesonderte Informationsveranstaltung zum Thema "Deutsche Digitale Bibliothek" für die Mitglieder der ARK, Vertreter der BKK und des VdA aus, in der die Aspekte Dienstleistungskonzession, Datenüberlassungsvertrag und Nationale Digitalisierungsstrategie vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden.
Für Rückfragen und weitere Informationen stehen Heinz Baumann und Gerald Maier (Landesarchiv Baden-Württemberg; eMail: landesarchiv@la-bw.de) sowie Angelika Menne-Haritz (Bundesarchiv) als die archivischen Mitglieder im Kompetenznetzwerk "Deutsche Digitale Bibliothek" gerne zur Verfügung.
[1] Projektwebseite: http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de
[2] Europeana-Portal: www.europeana.eu/portal, Informationen unter version1.europeana.eu/web/europeana-project
[3] CIDOC Conceptual Reference Model, Informationen unter www.cidoc-crm.org
[4] Webseite des Fraunhofer IAIS: www.iais.fraunhofer.de
[5] Informationen zum "Data Exchange Agreement": version1.europeana.eu/web/europeana-project/newagreement
[6] creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0, creativecommons.org/publicdomain, creativecommons.org/about/cc0
[7] www.archivtag.de/programm/informations-veranstaltung.html